ย Nordkoreanische Designerin Mode gegen Vorurteile

erzรคhlt die Geschichten nordkoreanischer รberlรคufer auf ungewรถhnliche Weise: mit Mode. Damit kรคmpft sie auch gegen Vorurteile in Sรผdkorea.
Vorurteile gegenรผber Nordkoreanern sind auf der Sรผdseite des geteilten Landes weit verbreitet. Die Erfahrung machte auch Ji-hyun Kang. Die 31-jรคhrige ist selbst aus der kommunistischen Diktatur geflohen - so wie rund 35.000 ihrer Landsleute und Leidensgenossen. Deren Geschichten will sie nun erzรคhlen - mit der Hilfe von Kleidungsstรผcken. "Nordkoreaner werden im Fernsehen immer als arm, hungrig und unwissend dargestellt", sagt Ji-hyun. "Sรผdkoreaner kรถnnen die Regierung Kim Jong Uns nicht von den Menschen in Nordkorea trennen."ย
Fรผr ihre Entwรผrfe fรผhrt Ji-hyun Kang lange und persรถnliche Interviews mit nordkoreanischen Flรผchtlingen. Anschlieรend verarbeitet sie deren oft aufrรผttelnde Lebensgeschichte jeweils in einem individuellen Motiv. Anschlieรend wird dieses Motiv in Form eines Stoffflickens auf den Ellenbogen-Bereich eines Pullovers oder T-Shirts gedruckt.ย
Zudem lรคsst sie einen QR-Code in den Nackenbereich der Kleidungsstรผcke nรคhen. Wer den mit seinem Handy scannt, gelangt auf eine Internetseite und kann dort die Geschichte hinter jedem Motiv auf Englisch und Koreanisch nachlesen. Ihr erster Entwurf basiert auf einem Jugenderlebnis von Ji-hyun Kang und zeigt den hรถchsten Berg Nordkoreas.
Zusammen mit Marie Boes (r.) hat Ji-hyun Kang ihr eigenes Modelabel gegrรผndet.ย Bild: Diane Kรคmpf/ARD-Studio Tokio
Reiche Leute in zerrissenen Jeans
Im Alter von 15 Jahren machte sie zusammen mit ihrerย Familie einen Ausflug auf den Paektusan oder Weiรkopf-Berg. Dabei sah sie zum ersten Mal einen Mann aus einem westlichen Land. Er sei sehr groร gewesen, habe einen Bart gehabt und zerrissene Jeans getragen, erzรคhlt sie. Letztere kannte Ji-hyun bis dahin nur aus dem Fernsehen. "Ich dachte, das muss ein Obdachloser sein", so die 31-Jรคhrige. "Aber mein Vater meinte: Vielleicht ist es ein reicher Mann! Er ist ja schlieรlich hierher gereist. Vielleicht ist es eine Art Mode?"
Reiche Leute in zerrissenen Jeans? Mode als Audrucksform? Die Neugier von Ji-hyun war geweckt. In Nordkorea lieร sich ihr Traum vom Modedesign jedoch nicht verwirklichen, nicht zuletzt wegen des Widerstands ihrer Eltern. Aber ihre Leidenschaft wuchs. "Ich habe Filme aus Sรผdkorea und den USA gesehen", erzรคhlt Ji-hyun. "Darin war extravagante Mode ganz normal. Das war eine faszinierende Welt fรผr mich!"ย
Die Mode von Ji-hyun Kang gibt es auch im Internet zu kaufen - im eigenen Onlineshop.ย Bild: Diane Kรคmpf/ARD-Studio Tokio
Flucht aus Nordkorea fรผr den Traum von der Mode
Fรผr ihren Traum lief Ji-hyun 2009 nach China รผber und landete drei Jahre spรคter in Sรผdkorea. An der Hanyang-Universitรคt in Seoul studierte sie Modedesign - mit Erfolg. Kurz nach ihrem Abschluss grรผndete sie gemeinsam mit Marie Boes aus Belgien die Social Impact Modemarke ISTORY. Kennengelernt haben sich die Grรผnderinnen in einem Start-up-Programm, das Sรผdkoreaner mit Nordkoreanern und anderen Auslรคndern verbinden soll.ย
Das Ziel von ISTORY ist es, die Erfahrung aller nordkoreanischen รberlรคufer in Sรผdkorea zu teilen - ihre Trรคume und Sorgen. Bislang gibt es neun verschiedene Designs und dahinter verborgene Lebensgeschichten - zum Beispiel von einem Elektrotechniker oder einem hoffnungsvollen Filmregisseur. Die beiden wollen weitermachen, "bis alle Geschichten von nordkoreanischen รberlรคufern erzรคhlt sind".ย
Durch ihr Label erhoffen sich Ji-hyun und Marie auch, den Diskriminierungen und Vorurteilen gegenรผber Nordkoreanern entgegenzuwirken. "Die Medien in Sรผdkorea zeigen immer nur einen kleinen Teil der Lebenswelt von Geflรผchteten", sagen sie. Und wenn alle Geschichten erzรคhlt sind? "Dann erweitern wir unser Projekt auf andere Minderheiten, denen es genauso gegangen ist wie den Nordkoreanern."
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ย Nordkoreanische Designerin Mode gegen Vorurteile
erzรคhlt die Geschichten nordkoreanischer รberlรคufer auf ungewรถhnliche Weise: mit Mode. Damit kรคmpft sie auch gegen Vorurteile in Sรผdkorea.
Vorurteile gegenรผber Nordkoreanern sind auf der Sรผdseite des geteilten Landes weit verbreitet. Die Erfahrung machte auch Ji-hyun Kang. Die 31-jรคhrige ist selbst aus der kommunistischen Diktatur geflohen - so wie rund 35.000 ihrer Landsleute und Leidensgenossen. Deren Geschichten will sie nun erzรคhlen - mit der Hilfe von Kleidungsstรผcken. "Nordkoreaner werden im Fernsehen immer als arm, hungrig und unwissend dargestellt", sagt Ji-hyun. "Sรผdkoreaner kรถnnen die Regierung Kim Jong Uns nicht von den Menschen in Nordkorea trennen."ย
Fรผr ihre Entwรผrfe fรผhrt Ji-hyun Kang lange und persรถnliche Interviews mit nordkoreanischen Flรผchtlingen. Anschlieรend verarbeitet sie deren oft aufrรผttelnde Lebensgeschichte jeweils in einem individuellen Motiv. Anschlieรend wird dieses Motiv in Form eines Stoffflickens auf den Ellenbogen-Bereich eines Pullovers oder T-Shirts gedruckt.ย
Zudem lรคsst sie einen QR-Code in den Nackenbereich der Kleidungsstรผcke nรคhen. Wer den mit seinem Handy scannt, gelangt auf eine Internetseite und kann dort die Geschichte hinter jedem Motiv auf Englisch und Koreanisch nachlesen. Ihr erster Entwurf basiert auf einem Jugenderlebnis von Ji-hyun Kang und zeigt den hรถchsten Berg Nordkoreas.
Zusammen mit Marie Boes (r.) hat Ji-hyun Kang ihr eigenes Modelabel gegrรผndet.ย Bild: Diane Kรคmpf/ARD-Studio Tokio
Reiche Leute in zerrissenen Jeans
Im Alter von 15 Jahren machte sie zusammen mit ihrerย Familie einen Ausflug auf den Paektusan oder Weiรkopf-Berg. Dabei sah sie zum ersten Mal einen Mann aus einem westlichen Land. Er sei sehr groร gewesen, habe einen Bart gehabt und zerrissene Jeans getragen, erzรคhlt sie. Letztere kannte Ji-hyun bis dahin nur aus dem Fernsehen. "Ich dachte, das muss ein Obdachloser sein", so die 31-Jรคhrige. "Aber mein Vater meinte: Vielleicht ist es ein reicher Mann! Er ist ja schlieรlich hierher gereist. Vielleicht ist es eine Art Mode?"
Reiche Leute in zerrissenen Jeans? Mode als Audrucksform? Die Neugier von Ji-hyun war geweckt. In Nordkorea lieร sich ihr Traum vom Modedesign jedoch nicht verwirklichen, nicht zuletzt wegen des Widerstands ihrer Eltern. Aber ihre Leidenschaft wuchs. "Ich habe Filme aus Sรผdkorea und den USA gesehen", erzรคhlt Ji-hyun. "Darin war extravagante Mode ganz normal. Das war eine faszinierende Welt fรผr mich!"ย
Die Mode von Ji-hyun Kang gibt es auch im Internet zu kaufen - im eigenen Onlineshop.ย Bild: Diane Kรคmpf/ARD-Studio Tokio
Flucht aus Nordkorea fรผr den Traum von der Mode
Fรผr ihren Traum lief Ji-hyun 2009 nach China รผber und landete drei Jahre spรคter in Sรผdkorea. An der Hanyang-Universitรคt in Seoul studierte sie Modedesign - mit Erfolg. Kurz nach ihrem Abschluss grรผndete sie gemeinsam mit Marie Boes aus Belgien die Social Impact Modemarke ISTORY. Kennengelernt haben sich die Grรผnderinnen in einem Start-up-Programm, das Sรผdkoreaner mit Nordkoreanern und anderen Auslรคndern verbinden soll.ย
Das Ziel von ISTORY ist es, die Erfahrung aller nordkoreanischen รberlรคufer in Sรผdkorea zu teilen - ihre Trรคume und Sorgen. Bislang gibt es neun verschiedene Designs und dahinter verborgene Lebensgeschichten - zum Beispiel von einem Elektrotechniker oder einem hoffnungsvollen Filmregisseur. Die beiden wollen weitermachen, "bis alle Geschichten von nordkoreanischen รberlรคufern erzรคhlt sind".ย
Durch ihr Label erhoffen sich Ji-hyun und Marie auch, den Diskriminierungen und Vorurteilen gegenรผber Nordkoreanern entgegenzuwirken. "Die Medien in Sรผdkorea zeigen immer nur einen kleinen Teil der Lebenswelt von Geflรผchteten", sagen sie. Und wenn alle Geschichten erzรคhlt sind? "Dann erweitern wir unser Projekt auf andere Minderheiten, denen es genauso gegangen ist wie den Nordkoreanern."
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